Was kostet die Kastration bei Hund und Katze in Österreich?

Von Christopher Dovjak · Geschäftsführer der D&P Vermögensmanagement GmbH — Versicherungsmakler gem. § 137 GewO · Veröffentlicht am

Am Tierspital der Vetmeduni Wien liegt die chirurgische Position für die Kastration eines Katers bei 99 Euro, für eine Katze bei 122 Euro als Ovariektomie. Beim Rüden reicht sie je nach Gewicht von 164 bis 358 Euro, bei der Hündin von 291 bis 546 Euro. Dazu kommen Narkose, Material, Voruntersuchung und Nachkontrolle — und in einer privaten Ordination die Umsatzsteuer, die eine Universitätsklinik nicht verrechnet. Der Preis hängt also an drei Dingen: Tierart und Geschlecht, Gewicht und Operationsmethode.

Warum es keinen Fixpreis gibt

Österreich hat seit 1. August 2016 keine verbindlichen tierärztlichen Honorarsätze mehr. Die Österreichische Tierärztekammer gibt nur einen kalkulatorischen Stundensatz als Empfehlung bekannt — seit 24. November 2025 netto 172 Euro in der Stufe I. Die Gesamtleistung errechnet sich laut Verlautbarung aus dem Stundenlohn zuzüglich variabler Kosten wie Geräteaufwand, Material und Verbrauchsartikeln; die Umsatzsteuer kommt in gesetzlicher Höhe dazu, Medikamente werden nach dem Apothekenverkaufspreis verrechnet.

Deshalb sind die Zahlen unten Anker, keine Tarife. Wie eine Tierarztrechnung in Österreich insgesamt zustande kommt, haben wir im Beitrag Tierarztkosten in Österreich aufgeschlüsselt.

Katze und Kater

Die Kastration des Katers ist der einfachste und günstigste Eingriff — die Hoden liegen außerhalb der Bauchhöhle, die Operation dauert nur wenige Minuten. Bei der Katze wird über die Bauchhöhle gearbeitet, was Aufwand und Preis erhöht. Werte aus der Honorarordnung des Tierspitals der Vetmeduni Wien, jeweils als chirurgische Position ohne Umsatzsteuer:

  • Kater, Standardeingriff: 99 Euro zuzüglich 14 Euro Material
  • Kater, inguinal ein- oder beidseitig: 189 Euro zuzüglich Material
  • Kater, abdominal ein- oder beidseitig: 253 Euro zuzüglich Material
  • Katze, Ovariektomie: 122 Euro
  • Katze, Ovariohysterektomie: 336 Euro zuzüglich 47 Euro Material

Die beiden höheren Positionen beim Kater betreffen den Kryptorchismus, also einen nicht abgestiegenen Hoden — dann liegt echte Bauchchirurgie vor. Zur Einordnung: Eine Kurznarkose inklusive Monitoring wird mit 87 Euro je angefangene 30 Minuten geführt, die Aufnahmeuntersuchung mit 135 Euro. Der Rechnungsbetrag liegt also planmäßig über der reinen Operationsposition.

Rüde und Hündin

Beim Hund staffeln sich fast alle chirurgischen Positionen nach Gewichtsklassen. Ein Hund über 30 Kilogramm braucht mehr Narkosemittel, mehr Material und mehr Zeit — das schlägt sich direkt nieder:

  • Rüde, präskrotal oder skrotal: 164 Euro unter 10 kg, 204 Euro bei 10 bis 30 kg, 358 Euro über 30 kg, jeweils zuzüglich 28 Euro Material
  • Rüde, inguinal: 201 bis 497 Euro je nach Gewichtsklasse
  • Rüde, abdominal bei Kryptorchismus: 395 bis 522 Euro
  • Hündin, Ovariektomie: 291 Euro unter 10 kg, 389 Euro bei 10 bis 30 kg, 483 Euro über 30 kg, zuzüglich rund 35 Euro Material
  • Hündin, Ovariohysterektomie: 358 bis 546 Euro zuzüglich 118 bis 146 Euro Material
  • laparoskopische Varianten: durchgehend höher, Material rund 144 Euro

Die minimalinvasive laparoskopische Kastration ist schonender und teurer. Ob sie im Einzelfall sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Ordination — nicht der Preis.

Kastrationspflicht für Freigängerkatzen

In Österreich ist die Kastration bei einem Teil der Katzen nicht optional. Die 2. Tierhaltungsverordnung bestimmt in Anlage 1: Werden Katzen mit regelmäßigem Zugang ins Freie gehalten, so sind sie von einem Tierarzt kastrieren zu lassen, sofern diese Tiere nicht zur Zucht verwendet werden. Das betrifft in der Praxis vor allem die häufigste Katze des Landes, die Europäisch Kurzhaar beziehungsweise Hauskatze. Was die Pflicht genau umfasst, wer sie kontrolliert und welche Ausnahmen gelten, steht im Beitrag Kastrationspflicht für Freigängerkatzen.

Dieser Beitrag ersetzt keine tierärztliche Diagnose. Bei akuten Beschwerden bitte umgehend eine Tierärztin oder einen Tierarzt aufsuchen.

Was zahlt die Tierkrankenversicherung?

Hier muss man ehrlich sein: Die geplante Kastration ohne medizinischen Befund ist in vielen österreichischen Bedingungswerken nicht gedeckt. Eine Tierkrankenversicherung ist eine Heilkostenversicherung — sie ersetzt die Behandlung einer Krankheit, nicht eine Vorsorgemaßnahme. Einzelne Produkte führen Kastration oder Sterilisation als Zusatzbaustein oder innerhalb eines jährlichen Vorsorgebetrags; das ist dann eine bewusst eingekaufte Erweiterung und keine Standardleistung.

Anders liegt der Fall bei medizinischer Indikation. Wird kastriert, weil eine Erkrankung vorliegt — etwa eine Gebärmutterentzündung, ein Tumor oder ein Kryptorchismus mit Komplikationsrisiko —, handelt es sich um eine Heilbehandlung, und der Schutz greift im vereinbarten Rahmen. Maßgeblich sind dann wie immer Wartezeit, Selbstbehalt und die Frage, ob der Befund bereits vor Vertragsbeginn dokumentiert war. Welche Leistungen darüber hinaus regelmäßig ausgenommen sind, steht in Was die Tierkrankenversicherung nicht zahlt.

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Häufige Fragen

Warum kostet die Kastration der Hündin mehr als die des Rüden?

Weil bei der Hündin die Bauchhöhle eröffnet wird. Das bedeutet längere Narkose, mehr Material, aufwendigere Naht und intensivere Überwachung. Beim Rüden liegen die Hoden außerhalb der Bauchhöhle, der Eingriff ist kürzer. Dieselbe Logik erklärt den Unterschied zwischen Kater und Katze — und den Aufschlag beim Kryptorchismus, wo auch beim männlichen Tier abdominal operiert werden muss.

Ist die Kastration bei Hunden in Österreich vorgeschrieben?

Nein. Die tierschutzrechtliche Kastrationspflicht der 2. Tierhaltungsverordnung betrifft Katzen mit regelmäßigem Zugang ins Freie, nicht Hunde. Beim Hund ist die Kastration eine medizinische und haltungsbezogene Entscheidung, die mit der behandelnden Tierärztin oder dem behandelnden Tierarzt besprochen gehört.

Warum unterscheiden sich die Preise zwischen Ordinationen so stark?

Weil es seit 2016 keine verbindliche Gebührenordnung mehr gibt. Jede Ordination kalkuliert eigenverantwortlich auf Basis ihrer Betriebskosten; die Honorarempfehlung der Tierärztekammer ist eine Orientierung, keine Vorgabe. Dazu kommen Unterschiede bei Narkoseverfahren, Überwachung und Nachsorge. Ein Kostenvoranschlag vorab ist bei einem planbaren Eingriff wie der Kastration üblich und sinnvoll.

Zahlt die Versicherung, wenn nach der Kastration Komplikationen auftreten?

Das hängt vom Bedingungswerk ab. Ist der Eingriff selbst nicht gedeckt, sind Folgekosten daraus häufig ebenfalls ausgeschlossen. Ist er als medizinisch indizierte Heilbehandlung gedeckt, sind Komplikationen im üblichen Rahmen mitversichert. Diese Abgrenzung ist einer der Punkte, die man vor der Unterschrift klären sollte und nicht danach.

Quellen

Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine individuelle Beratung. Wie wir arbeiten, woher unsere Zahlen kommen und wie oft wir sie prüfen, steht unter Wie wir arbeiten.

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